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Podium Trotz 80 Sekunden Strafe: Mein Nordschleifen-Debüt Bei NLS7

Manche Wochenenden schreiben Geschichten, die man so nie geplant hätte. Mein erstes Rennen auf der legendären Nordschleife war genau so ein Wochenende. Zwischen Fieber, einem harten Fehler von meiner Seite, einer 80-Sekunden-Strafe und einem starken Team ist am Ende ein Podium herausgekommen – auf einer der anspruchsvollsten Strecken der Welt. Hier ist die ganze Geschichte.

Der Hintergrund: Permit-Lizenz Für Ein Grosses Projekt

Bevor ich zum Rennen komme, muss ich kurz den Kontext erklären. Siro Zambra, Sandra und ich stehen vor einem grossen Projekt für nächstes Jahr, das ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht im Detail lüften kann. Um dafür startberechtigt zu sein, brauchen wir alle drei die Nordschleifen-Permits (Permit-A und Permit-B) – die berühmt-berüchtigte Lizenz, ohne die auf der Green Hell einfach nichts geht. Der Weg dorthin ist steinig und aus gutem Grund streng: theoretischer Grundkurs, begleitete Runden mit einem erfahrenen Instructor, dann acht absolvierte Runden alleine im echten Verkehr. Und das alles bevor du überhaupt an ein Rennen denken darfst.

Permit-B: Erste Runden Auf Der Nordschleife

Der erste Teil des Wochenendes war die Absolvierung der Permit-B. Nach dem Theoriegrundkurs ging es am nächsten Tag direkt auf die Strecke – zuerst mit einem Instructor an der Seite, dann acht Runden solo, mitten im gemischten Verkehr aus GT3-Boliden, Cup-Autos und Serien-BMWs. Klingt einfach, ist es aber ganz und gar nicht. Die Nordschleife verzeiht keine Fehler. 20,8 Kilometer, über 150 Kurven, Höhenunterschiede, blinde Kuppen, Streckenabschnitte, in denen du im Bruchteil einer Sekunde entscheiden musst, ob du an einem langsameren Auto vorbeigehst oder wartest.

Trotz alldem konnte ich am Steuer des BMW M240i Racing #680 richtig starke Rundenzeiten fahren. Das Auto hat sich vom ersten Meter an vertraut angefühlt und mir Sicherheit gegeben, mich mit jeder Runde weiter an die Grenze heranzutasten. Ich habe schnell verstanden, warum diese Strecke bei Fahrern weltweit so einen Kultstatus hat.

Der Tag Vor Dem Rennen: Zwei Schwere Nachrichten

Vor dem 6-Stunden-Rennen von NLS7 dann zwei Schläge. Siro musste krankheitsbedingt kurzfristig absagen – hohes Fieber, an ein Rennen war für ihn nicht zu denken. Und auch ich war alles andere als bei bester Gesundheit. Ein harter Halsvirus hatte mich in den Tagen zuvor erwischt, und in der Nacht vor dem Rennen mass ich 38 Grad Fieber. Jeder Fahrer weiss, was das heisst: Reaktionsvermögen leidet, körperliche Belastungsgrenze sinkt, Konzentration wird zur Kraftanstrengung. Bei einem Rennen auf der Nordschleife, wo genau diese drei Faktoren über Sekunden zwischen Sicherheit und Katastrophe entscheiden können, ist das alles andere als ideal.

Aber im Motorsport gilt: Wenn das Team zählt, bist du da. Also habe ich den Helm aufgesetzt.

Qualifying: P6 In Einem Der Stärksten Felder Des Jahres

Das Fahrerfeld von NLS7 wurde später als eines der wettbewerbsintensivsten der gesamten Saison bezeichnet. Werksfahrer, Cup-Sieger, Nordschleifen-Spezialisten mit tausenden von Runden im Zähler – alle waren am Start. In diesem Umfeld haben wir uns im Qualifying auf den sechsten Startplatz gefahren. Ein Resultat, mit dem ich als Nordschleifen-Rookie mehr als zufrieden war. Das Auto lag gut, die Basis für sechs Rennstunden war da.

Das Rennen: Vom Sechsten Auf Den Zweiten Platz

Der Start verlief sauber, und wir konnten uns schnell Position um Position nach vorne arbeiten. Auf einer Strecke, auf der Überholmanöver mehr Mut, Präzision und Erfahrung verlangen als fast überall sonst, war jede gewonnene Position hart erarbeitet. Nach den ersten Stints und Fahrerwechseln lagen wir plötzlich auf dem zweiten Platz. Das Podium war zum Greifen nah. Ich fuhr mit Fieber im Körper und trotzdem konnte ich mich mit jeder Runde weiter steigern – nicht auf 100 Prozent, aber gut genug, um in dieser Klasse mitzukämpfen.

Der Moment, Der Alles Veränderte: Code 60 Am Flugplatz

Und dann kam der Moment, den ich mir selbst niemals verzeihen werde. Am Flugplatz-Abschnitt hatte ich eine Code-60-Zone übersehen. Für alle, die es nicht kennen: Code 60 heisst, dass in diesem Streckenabschnitt aufgrund eines Zwischenfalls maximal 60 km/h erlaubt sind – eine harte Vorgabe, die auf der Nordschleife absolut essentiell ist, um Streckenposten und verunfallte Fahrzeuge zu schützen. Ich habe die Flagge in dieser Sekunde schlicht nicht gesehen. Das ist mir in meiner gesamten Karriere zum ersten Mal passiert – und es passiert an genau dem Wochenende, an dem ich es am wenigsten gebrauchen konnte.

Die Konsequenz war doppelt bitter. Erstens: Die Permit-A war damit für dieses Wochenende erledigt, denn dafür müssen alle sechs Rennrunden komplett ohne Infringements absolviert werden. Zweitens: Wir bekamen eine 80-Sekunden-Strafe aufgebrummt, die uns vom zweiten Platz zurück auf Platz drei warf. Ein Fehler von meiner Seite, den ich zu 100 Prozent auf meine Kappe nehme. Kein Ausreden, keine Ausflüchte. Ich habe die Flagge übersehen, Punkt. Solche Momente tun weh, aber sie gehören zu meinem Lernprozess auf dieser besonderen Strecke dazu.

Kampf Um Platz Drei: Sauber Verteidigt, Sogar Ausgebaut

Nach der Strafe hätte man den Kopf hängen lassen können. Habe ich aber nicht. Im Gegenteil. In den verbleibenden Stints ging es darum, den dritten Platz sauber zu verteidigen und, wenn möglich, sogar wieder anzugreifen. Und genau das haben wir gemacht. Position halten, keinen weiteren Fehler zulassen, den Vordermann unter Druck setzen. Am Ende überquerten wir die Ziellinie auf Platz drei – nicht der zweite Platz, der uns zwischenzeitlich gehört hätte, aber trotzdem ein Podium bei meinem allerersten Nordschleifen-Rennen. Und in einem der stärksten Felder der Saison.

Was Ich Aus Diesem Wochenende Mitnehme

Dieses Wochenende hat mir mehr beigebracht als so manche Saison. Die Nordschleife ist mit Abstand eine der gefährlichsten, aber auch mit Abstand eine der spannendsten Strecken, die ich in meiner Karriere gefahren bin. Sie zwingt dich, in jedem Moment absolut wach zu sein – und sie bestraft jeden Millimeter Nachlässigkeit sofort. Genau das macht sie so einzigartig. Ich verstehe jetzt, warum Fahrer wie Nick Tandy, Maro Engel oder Kelvin van der Linde die Green Hell so lieben.

Mit meinem Fehler bei Code 60 muss ich ehrlich umgehen: Er hat uns die Permit-A für dieses Wochenende gekostet und den zweiten Platz. Das nervt. Aber solche Momente sind Teil einer Rennfahrer-Karriere, und wichtig ist nur, was du daraus machst. Ich werde in Zukunft noch aufmerksamer sein und die Flaggenpositionen der Nordschleife wie meine Westentasche kennen. Beim nächsten Anlauf holen wir die Permit-A – dessen bin ich mir sicher.

Dank An Das Team Und Alle Beteiligten

Ein grosses Dankeschön an das gesamte Team up2race / JP-Race, das mich als Nordschleifen-Rookie an diesem Wochenende so hervorragend eingestellt hat. Danke an meine Ersatz-Teamkollegen, die kurzfristig für Siro eingesprungen sind und alles gegeben haben. Gute Besserung an Siro – wir kommen zusammen zurück. Danke an unsere Sponsoren, die dieses Projekt möglich machen. Und wie immer danke an euch, den #teamjd Fan Club – eure Nachrichten habe ich gerade an diesem herausfordernden Wochenende besonders gespürt.

Auf zum nächsten Kapitel. Die Nordschleife und ich, wir sehen uns wieder.

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