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Manche Rennen erzählen eine Geschichte, die niemand vorhergesagt hätte. Misano war so ein Rennen. Was als Top-3-Qualifying-Wochenende mit grossen Ambitionen begann, verwandelte sich in eines der wildesten Rennen meiner Karriere – und am Ende in eines, auf das ich trotz fehlendem Spitzenresultat unglaublich stolz bin. Hier ist die ganze Geschichte.
Qualifying: Stark Von Der Ersten Runde An
Schon in den Qualifying-Sessions zeigten wir, was in unserem BMW M4 GT3 EVO und in uns als Trio steckt. Über alle Sessions hinweg waren wir konstant unter den Top 5. Jasin, Francesco und ich harmonierten perfekt, das Auto lag perfekt auf der Strecke, und am Ende sicherten wir uns den dritten Startplatz auf der zweiten Startreihe. Ein Resultat, das uns volle Zuversicht für die drei Stunden Renndistanz gab. Wir wussten: Wenn alles zusammenpasst, ist das Podium in Reichweite.
Der Start: Schwierige Konditionen, Harter Schlag
Doch im Endurance-Sport zählt nicht das Qualifying, sondern das, was über drei Stunden passiert. Francesco übernahm den Startstint unter sehr schwierigen Konditionen. Die Strecke war tückisch, das Feld extrem dicht gedrängt, und schon vom Start an war klar: Hier wird es eng. In den ersten Runden kam es zu einem unvermeidbaren Zusammenstoss mit einem Konkurrenten. In wenigen Minuten waren zwölf Positionen weg. Was als Top-3-Start geplant war, wurde plötzlich zu einem Rennen um Schadensbegrenzung. Aber: Wir alle wissen, wie schnell solche Dinge im Motorsport passieren können – und das gehört dazu.
Das Zweite Drama: Problem Am Benzintank
Als wäre das nicht genug, meldete das Team mitten im Rennen ein technisches Problem am Benzintank. Es gab keine Wahl: Wir mussten einen ungeplanten zusätzlichen Boxenstopp einlegen. Drei Minuten – das fühlte sich in dem Moment an wie eine Ewigkeit. Drei Minuten, die in einem 3-Stunden-Endurance-Rennen normalerweise jede Hoffnung auf ein gutes Ergebnis beenden. Im Cockpit habe ich nur einen Gedanken zugelassen: Wir geben nicht auf.

Der Tiefpunkt: P55, Zweieinhalb Runden Rückstand, Letzter
Nach dem unfreiwilligen Stopp lagen wir auf P55. Dem absolut letzten Platz im gesamten Feld. 2,5 Runden Rückstand auf die Spitze. In dem Moment hätte man verzeihen können, das Wochenende abzuhaken und einfach das Auto sicher ins Ziel zu bringen. Aber genau in solchen Momenten zeigt sich, was ein Team wirklich ausmacht. Und Nova Race hat in diesem Moment zusammengestanden wie eine Mauer.
Das Comeback: 64 Überholmanöver Im Strömenden Regen
Was dann passierte, werde ich so schnell nicht vergessen. Über zweieinhalb Stunden hinweg waren wir das schnellste Auto auf der gesamten Strecke. Punkt. Egal welche Klasse, egal welches Auto – die schnellsten Rundenzeiten gehörten uns. Mitten in dieser Phase setzte der Regen ein, und Misano verwandelte sich in eine völlig andere Strecke. Bremszonen wurden zu Glücksspielen, Kurven, die du sonst im fünften Gang nimmst, brauchten plötzlich Höchstkonzentration und Millimeter-Präzision.
Genau in solchen Bedingungen liebe ich es, im Auto zu sitzen. Über 64 Überholmanöver haben wir uns gemeinsam erkämpft. Jedes einzelne war hart erarbeitet, manche waren technische Meisterstücke, andere reines Adrenalin – mit Reifen auf dem absoluten Limit, Aquaplaning-Gefahr in jeder Bremszone und Sichtverhältnissen, in denen man dem Vordermann im Spritzwasser kaum ausweichen konnte. Ich erinnere mich an Überholmanöver, bei denen ich an der Tramonto auf der Aussenbahn vorbeigegangen bin, an Momente in der Curvone, in denen wir gleich zu zweit nebeneinander gebrettert sind. Pure Emotion, pure Konzentration. Stunde um Stunde haben wir uns Platz für Platz nach vorne gearbeitet. Und das Unfassbare ist passiert: Wir konnten uns sogar zurückrunden – etwas, das in einem so dichten Feld eine echte Seltenheit ist.
Das Ergebnis: P18 Gesamt, P9 In Der Klasse
Am Ende standen P18 im Gesamtklassement und P9 in unserer Klasse zu Buche. Auf dem Papier ist das kein Resultat, mit dem wir nach einem Top-3-Qualifying ins Wochenende gegangen sind. Aber Resultate erzählen manchmal nicht die ganze Wahrheit. Von P55 mit 2,5 Runden Rückstand zurück ins Mittelfeld zu kämpfen, ist eine Leistung, auf die das gesamte Team Nova Race zu Recht stolz sein darf. Manchmal sind diese Wochenenden wertvoller als ein Podium auf direktem Weg.
Hammerleistung Vom Ganzen Team
Was Jasin, Francesco und ich an diesem Wochenende abgeliefert haben, war das pure Maximum. Aber ohne unsere Mechaniker, Ingenieure und Strategen wäre dieses Comeback nie möglich gewesen. Der ungeplante Stopp war professionell orchestriert, jede Strategie-Entscheidung in den Regenphasen sass, und das Set-Up des BMW M4 GT3 EVO funktionierte unter beiden Konditionen – trocken wie nass – einfach hervorragend. Das ist Endurance-Motorsport auf höchstem Niveau: Es zählt nicht ein einzelner Stint, sondern was ihr gemeinsam draus macht.
Was Wir Mitnehmen
Misano hat uns drei Dinge klar gezeigt. Erstens: Wir haben die Pace, um vorne mitzuspielen. Zweitens: Wir haben das Team, um auch in den schwierigsten Momenten ruhig und fokussiert zu bleiben. Und drittens: Wir haben die mentale Stärke, um nie aufzugeben – egal, wie schlecht die Karten in einem Moment aussehen. Das ist eine Basis, mit der ich beruhigt und voller Vorfreude zum nächsten Rennwochenende fahre.
Dank Und Ausblick
Ein riesiges Dankeschön an das gesamte Nova Race Team, an meine Teamkollegen Jasin und Francesco für ihren Kampfgeist, an unsere Sponsoren, an meine Familie und vor allem an euch – den #teamjd Fan Club. Eure Nachrichten und euer Mitfiebern habe ich auch am Sonntagabend gespürt. Auf zum nächsten Kapitel der Saison 2026. Wir kommen wieder. Stärker.
